DeutschEnglishJapain
Home  |  Sitemap  |  Kontakt

Der Weg der leeren Hand

 

Seit Jahrtausenden beschäftigen Körperübungen in Form von Kampfkünsten die Menschen verschiedenster Kulturen. Allgemein lässt sich feststellen, dass die Entwicklung seit jeher zwei Wege einschloss: den inneren, geistigen und den äusserlichen, körperlichen. Die harmonische Verbindung dieser zwei Wege führt zur Entfaltung des ganzheitlichen Menschen. Dieser persönliche Lebensweg ist das, was früher die Kampfkunst im Gegensatz zum Kriegshandwerk ausmachte und heute den Unterschied zum reinen Kampfsport darstellt.
 
Das japanische Karate, wie wir es heute kennen, stammt in Wirklichkeit aus Okinawa, der grössten Insel des Ryukyu-Archipels. Die Urformen der chinesischen Shaolin-Kampfkünste haben sich mit den einfallsreichen Kampftechniken der Inselbewohner vermischt. Im 17. Jahrhundert wurde von den japanischen Statthaltern ein strenges Verbot erlassen, das jeglichen Besitz von Waffen ausdrücklich untersagte. Dies führte unmittelbar zur Weiterentwicklung der waffenlosen Faustkampfkünste. Sie wurden in dieser Zeit im Untergrund von Geheimbünden praktiziert.
 
Der Begründer des modernen Karate, Gichin Funakoshi, verlieh dieser Kunst die Bezeichnung «der Weg der leeren Hand» (jap. «Karatedo»). Die philosophische Idee, die inhaltlich diesem Ausdruck zugrunde liegt, ist die Suche nach Einheit: Körper und Geist sollen soweit geschult werden, bis das Handeln aus einer absichtslosen inneren «Leere» entsteht. Diese «Leere» findet im übertragenen Sinn in diesem Wort ihren Ausdruck: «kara» bedeutet «leer» und dies eben nicht nur im Sinn von «waffenlos».
 
Erstmals tauchte Karate im Westen Mitte der Fünfzigerjahre auf. Japanische Meister versetzten Amerikaner und Westeuropäer mit Vorführungen einer bis anhin unbekannten Kunst in Erstaunen. Mit blossen Händen zerschlugen sie Ziegelsteine, Bretter und Stapel von Dachziegeln und durchbohrten mit gestreckten Fingern Melonen. Man erzählt, Meister Matsutatsu Oyama habe sogar mit der Hand einem Stier die Hörner abgeschlagen. Diese «exotischen Tricks» wurden mit äusserster Präzision durchgeführt und von konzentrierten Ritualen eingerahmt. Wenige Jahre später beherrschten schon junge Leute in verschiedensten Ländern die Kunststücke der japanischen Meister. Karate eroberte die Welt und ist heute eine international anerkannte Wettkampfform, geprägt vom Geist und der Kultur Ostasiens.
 
Matsutatsu Oyama, der Begründer des Kyokushin-Stils, war wegen seiner radikalen Einstellung und seiner respekteinflössenden Persönlichkeit einer der auffallendsten Meister in Japan. Er wurde am 27. Juli 1923 unter dem Namen Yong-I-Choi im Süden von Korea geboren. Als Neunjähriger lernte er in Südchina chinesisches Kempo (Faustkampf). Mit zwölf Jahren kannte er sich schon in Judo und Boxen aus. Während langer Zeit trainierte er als Schüler von Gichin Funakoshi an der Universität von Takushoku. Für Funakoshi standen die erzieherischen Werte des Karate im Vordergrund. In seinem Unterricht nahm das Vervollkommnen der technischen Präzision einen höheren Stellenwert ein, als die Schulung des Freikampfes. Oyama aber wollte kämpfen und wechselte deshalb für zwei weitere Jahre zu Gogen Yamaguchi, genannt «die Katze». Dieser Meister des Goju Ryu Karate («Schule der Harten und der Sanften Kraft») besass eine einzigartige charismatische Kraft und war wegen seinen aussergewöhnlichen mentalen Fähigkeiten ein Vorbild für viele Menschen, die dem Weg der Kampfkünste folgten. Er erkannte die Stärke Oyamas und unterstützte diesen in seiner Entwicklung.
 
Inspiriert von den Schriften Miyamoto Musashis, einem berühmten japanischen Krieger aus dem sechzehnten Jahrhundert, begab sich Oyama im Alter von 23 Jahren auf den Berg Miobu. In völliger Abgeschiedenheit trainierte er unermüdlich zwölf Stunden am Tag. Nachts pflegte er bei Kerzenschein seinen Körper oder spielte auf der Bambusflöte. Nach 14 Monaten stieg Oyama wieder vom Berg herab und gewann die nationalen Meisterschaften in Japan. Alle, die ihn kämpfen sahen, waren von seinem Durchsetzungsvermögen sehr beeindruckt. Oyama unternahm zahlreiche Reisen und machte sich weltweit einen Namen als nahezu unschlagbarer Kämpfer. Er trat gegen jeden an, der ihn herausforderte. Seine 270 Gegner landeten alle auf dem Boden. Kaum ein Kampf dauerte länger als drei Minuten.
 
Die Kraft des Karate offenbart sich im Tun und nicht im Nachdenken und Sprechen über die Philosophie, die dahinter steckt. Schwerpunkt bilden das Training und die Erkenntnisse und Erfahrungen, die mit dem Lernen einhergehen. Die Persönlichkeit Oyamas und die Geschichten, die über ihn erzählt werden, beeindruckten und inspirierten Andy schon als Teenager. Äusserlich wirkte er sanft und freundlich, aber innerlich war er fest entschlossen, einmal gesteckte Ziele ohne Kompromisse zu erreichen. Andys Verhalten als Kampfkünstler und die Art, wie er Schwierigkeiten im Training und im Leben meisterte, waren vorbildhaft. Früh schon wurde ihm bewusst, dass er immer wieder Neues lernen können und somit stets ein Schüler bleiben würde.
 
 
Disclaimer  I  AGB   I  Impressum  I  Panorama-Invest AG   Blegistrasse 15  CH-6340 Baar