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Biografie - Niederlage

 

Das nächste Ziel, das Andy anvisierte, war die Weltmeisterschaft 1991. Auf dem Weg dorthin wählte er geschickt einzelne internationale Turniere aus, um dort seine Taktik und seine Verfassung zu überprüfen. In der Regel setzte er sich souverän durch und gewann jeweils den ersten Rang. Bereits 1988 wurde er Trainer der Schweizerischen Nationalmannschaft, stellte so sein Wissen und seine Erfahrungen den anderen Wettkämpfern zur Verfügung. Schliesslich war es soweit: Die fünfte Weltmeisterschaft im Vollkontakt-Karate ohne Gewichtsklassen fand im "Budokan" von Tokio statt, dem offiziellen Zentrum der japanischen Kampfkünste.
 
Andy, der sich mit Wettkampfstrategien auskannte, entging nicht, dass mögliche Favoriten aus Europa, Südamerika oder anderen nicht asiatischen Regionen ebenfalls auf grosse, kräftige Gegner trafen, während die japanischen Spitzenkämpfer mehrheitlich einfachere Begegnungen austrugen. Beim Vollkontakt-Karate ist es für einen Wettkämpfer entscheidend, den Sieg in den Vorrunden ohne übermässigen Energieverschleiss davonzutragen. Andy ärgerte sich über die so offensichtlich manipulierte Weltmeisterschaft.
 
Im dritten Kampf traf Andy auf den talentierten Brasilianer Francisco Filoh. Zuvor musste er gegen einen russischen Riesen antreten, der zwei Meter zehn mass und gut hundert Kilo wog. Dank seiner technischen und taktischen Fähigkeiten konnte er die Begegnung für sich entscheiden. Den zweiten Gegner schlug er sogar k.o. Trotz dieser Kräfte raubenden Vorkämpfe gab sich Andy locker und erwiderte die Angriffe von Filoh laufend mit eigenen Attacken. Plötzlich erklang die Glocke, die Kampfzeit war um. Andy entspannte seine Arme, drehte sich freudestrahlend zu seinem Team, doch im gleichen Augenblick krachte Filohs Fuss seitlich an seinen Kopf. Wie vom Blitz getroffen fiel der Schweizer Favorit zu Boden. Oyama bestätigte mit einem Handzeichen, dass die Technik galt. Später vertrat er den Standpunkt, Filoh habe zwar erst nach Ablauf der Kampfzeit getroffen, aber vorher zu dieser Technik angesetzt. Darum entschied er, dass dieser Schlag gewertet werden müsse und Andy den Kampf verloren habe.
 
Als Andy später zu sich kam, machte sich eine riesige Enttäuschung breit. Kopfschüttelnd sass er da und hielt mit aller Kraft die aufwallenden Emotionen zurück. Unbändiger Zorn übermannte ihn und gleichzeitig lähmten ihn körperliche Müdigkeit und psychische Niedergeschlagenheit. Seine Enttäuschung war so gross, dass für den Moment sein inneres Lächeln erloschen war und er beschloss, künftig sein Wissen und seine Erfahrungen als Trainer weiterzugeben und die Nationalmannschaft weiterhin zu betreuen, aber selber keine Wettkämpfe mehr zu bestreiten. Er fühlte sich betrogen und sah seine Ideale der Kampfkunstphilosophie verraten.
 
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